Begeistert lasen wir kürzlich das Interview, das Style Salvage mit Chris Gove und Luke Stenzhorn von Percival geführt haben: Nicht nur, weil wir ihre Liebe zu Mad Men und Labels wie Heritage Research und Margaret Howell teilen, sondern vor allem aus Freude über ihre Debütkollektion.
Die beiden jungen Londoner haben keine Modedesign-Ausbildung, sondern arbeiteten zunächst als Illustratoren bzw. Grafikdesigner. Die Idee, selbst Kleidung zu entwerfen, entstand bei dem Versuch, die perfekte gewachste Fischerjacke zu skizzieren. Ihre unaufgeregten Entwürfe vereinen klassische Schnitte und traditionsreiche Materialien wie Harris Tweed mit jungenhaften Details. Ziel war eine Kollektion, die auf den ersten Blick wie althergebrachte Arbeiterkleidung anmutet, doch bei genauerem Hinsehen verspielte Elemente offenbart - etwa wenn durch das Hochkrempeln eines Ärmels ein bunt gepunktetes Innenfutter sichtbar wird. Eine Besonderheit von Percival ist, dass sämtliche Kleidungsstücke nicht nur in London entworfen, sondern auch hergestellt werden. Erhältlich sein werden sie voraussichtlich ab September und glücklicherweise wird auch über eine Frauenkollektion bereits nachgedacht.
Arne Schreiber analysiert Bedingungen und Konzepte von Malerei, indem er seine Bildobjekte wie empirische Experimente anlegt. Damit dem Ergebnis eines wissenschaftlichen Versuchs Gültigkeit zugesprochen wird, müssen die Bedingungen, unter denen er stattgefunden hat, allgemein nachvollziehbar sein. In Schreibers Versuchsanordnung wird die Malerei daher auf eine Syntax schwarzer Linen auf weißem Grund konzentriert – eine Struktur die keinen Anfang und kein Ende erkennen lässt. Die Bildfläche selbst setzt sich aus mehreren genormten Holzpaneelen zusammen und stellt eine gerasterte Struktur, die als Referenzsystem kleinste Veränderungen aufzuzeigen vermag.
Denn trotz des Prozesses der strikten Widerholung eines malerisch-technischen Vorgangs unter klar definierten Bedingungen, kann keine Linie einer anderen entsprechen, beispielsweise weil die Farbe noch während des Malprozesses zu trocknen beginnt. Fehler oder besser Abweichungen liegen demnach in der Natur der Sache. Das Referenzsystem der gerasterten Bildoberfläche macht dies sichtbar und das umso mehr wenn die Sequenz der Holzpaneele im Rahmen in einem weiteren Arbeitsschritt verändert wird. Durch die Unterbrechungen und Verschiebungen des gemalten Rapports wird der individuelle Charakter der Linien hervorgekehrt und dort wo vorher „nur“ Struktur war, entstehen mit wechselnden Tafelanordnungen immer neue Bilder.
Arbeiten von Arne Schreiber sind noch bis zum 4. April in der Galerie koal zu sehen.
"I am most interested in the picture presenting the world in a way that is basically about how we look at the world. For me the digital interventions are less in terms of the image than they are about bringing out specific qualities in the objects, places, or people photographed. I want pictures to feel provisional, and to in some way make the viewer aware of my choices as well as the set of possible choices inherent in the making of the image. When this is successful, I hope people come to feel their own looking and their own choices more explicitly." (Lucas Blalock, A Conversation between Lucas Blalock and Sam Falls, Humble)
Alexa Chung, die für die Vogue UK nun täglich ihre Garderobe dokumentiert und aufschlüsselt, und ihren bezaubernden Sandalen (die wohl als Thema in Kürze ihren eigenen Post verdient haben) haben wir die Entdeckung der großartigen Designerin Margaret Howell zu verdanken. Britisches Understatement at its best.
Auf der anderen Erdhalbkugel neigt sich so langsam der Sommer seinem Ende entgegen und man macht sich Gedanken über die Herbst- bzw. Wintergarderobe. Die neue Kollektion des australischen Labels Sara Phillips löst bei mir allerdings eher hochwillkommene Sommergefühle aus.
Simon Evans, 1972 in London geboren, war zunächst Pro-Skateboarder und gelangte 1994 durch einen Sponsoren nach San Francisco, wo er bald beschloss, das Skaten nur noch als Hobby zu betreiben und sich der Kunst zuwandte. Ohne klassische Ausbildung an einer Kunsthochschule zählt er auch heute noch Autoren wie Jonathan Swift und Raymond Carver sowie Musiker wie die Kinks neben bildenden Künstlern zu seinen Einflüssen.
Der Reiz seiner Arbeiten liegt in der Kombination aus sehr persönlichen, tagebuchartigen Äußerungen und einem scharfen Witz. Sprache und Geschriebenes nehmen immer eine zentrale Rolle ein und werden durch zarte Zeichnungen, Diagramme und Collagen ergänzt. Da Evans häufig einfache Materialien wie Papier, Kugelschreiber und Tape verwendet und seine Werke zum Teil direkt aus seinen Notizbüchern ausreißt, haben sie einen ganz eigenen, beiläufigen und unprätentiösen Charme, der mich auf eine baldige Ausstellung seiner Werke in Berlin, wo er laut seiner Galerie momentan lebt, hoffen lässt.
Eigentlich war es ja zu erwarten und doch waren wir von den Ausmaßen überrascht, als sich die Besucher der Henrik Vibskov-Ausstellung trotz Kälte und gefährlichem Glatteis binnen kürzester Zeit dicht in den Räumen der pool gallery oder rauchend auf dem Bürgersteig davor drängten. Zu sehen gab es an diesem Abend also vor allem Menschen, was ja auch interessant sein kann und in diesem Fall dank des überdurchschnittlich modeaffinen Publikums auch war. Ausgehend von dem, was wir an Kunst zwischen den Besuchermassen an den Wänden aufblitzen sahen, vermuten wir auch, dass die Ausstellung durchaus einen zweiten Besuch verdient.
Céline Resort 2010, Stella McCartney SS 2010, Comme des Garçons F 2010, Paul Smith F 2010, Raf Simons F 2010, Givenchy Couture 2010, Proenza Schoeler SS 2010, Jil Sander SS 2010 [all images via style.com]
Leuchtendes Blau zieht derzeit überall unsere Augen an: Schon bei Vladimir Karaleevs Präsentation während der Berliner Fashion Week konnten wir nicht genug davon bekommen und inzwischen sind nicht nur Tavis Haare, sondern auch unsere Fingernägel blau und das nicht etwa, weil wir uns die Finger eingeklemmt hätten. Und wenn es nach den großen Designhäusern geht, wird es in diesem Jahr auch aus unseren Kleiderschränken immer wieder blau hervorblitzen. Dabei gilt vor allem eins: Der allzeit beliebte Klassiker Marineblau wird durch einen klareren, vibrierenden Tonfall ergänzt.